Vorsicht, in dem Beitrag wird es persönlich.
Auch wenn du es nicht gerne hörst, ich durchschaue dich noch bevor du dein erstes Wort gesagt hast. Ein Blick, ein Augen verdrehen, eine unbedachte Mikrogeste/Mimik reicht aus und ich habe ein Bild von dir. Ein gutes oder ein schlechtes, ganz egal.
Zwischen den Zeilen lesen, überwältigt sein von Einzelheiten die auf mich einschlagen ist anstrengend.
Jeden Tag prasseln ungefiltert so viele Sachen auf mich ein. Stimmungsschwankungen, Veränderungen im Raum/an dir/deinem Verhalten, undefinierbare Spannung die einen selbst durch Fernsehbildschirme anspringen, die Freude und Unbehagen auslösen.
Manchmal auch beides zusammen.
Ich kann und will diese Last nicht mehr alleine tragen.
Ich hab gelernt zu schweigen. Zu schweigen, um keinen Unfrieden zu stiften, keinen zu belasten. Nicht als Freak dazustehen.
Es isoliert, es bringt Unverständnis sowohl bei mir als auch bei den anderen, wenn alle anderen unwissend sind und ich schon längst weiß, woran ich bin und was Phase ist.
Es passiert ganz automatisch, ohne das ich es will. Offenbare ich es, werde ich abgelehnt. Offenbare ich es nicht, sage ich nichts, bin ich zurückhaltend, verschlossen und unnahbar.
Ich weiß manchmal schlicht nicht mehr weiter.
Ich sehe was, was du nicht siehst. Das ist mein Fluch.
Ich sehe dein Gesicht und vergesse dich nicht. Du erzählst es mir einmal ich vergesse es nicht, nie wieder.
Und du erzählst es mir immer und immer wieder. Weil du es vergessen hast.
Ich vergesse nicht. Ich bin stiller Beobachter, allwissender Erzähler, zwischen-den-Zeilen-Leser. Ich kenne dich und deine Geschichte, aber ich schweige.
Ich schweige viel zu viel. Es passiert automatisch, ohne dass ich es will. Ausblenden geht für eine gewisse Zeit gut, aber ist keine Dauerlösung.
Ich mache mir Gedanken um dich und deine Person ohne das du mich darum gebeten hast. Mich beschäftigen deine Probleme ohne dass ich es steuern kann, deswegen isoliere ich mich kraft- und gedankenlos und ziehe mich in andere Welten zurück.
Es ist Fluch und Segen zugleich in einer Welt voller Oberflächlichkeiten und einem Einheitsbrei aus stumpfen und gedankenlosen Trends.
Überwältigt von der Masse und überwältigt von Zuviel.
Es fehlt der, der mich bremst, mich lenkt, mir Halt gibt. Ich weiß nicht wohin mit dem, was ich wahrnehme. Ich kann und will es keinem erzählen, was ich beobachte weil ich Angst habe abgestempelt zu werden.
Nicht umsonst ist der Titel meines ersten Buches „Schweigen ist Gold“. Es dient als Metapher genauso gut wie als Wahrheit.
Ich habe gelernt, dass es besser ist zu schweigen. Wegsehen ist einfacher als etwas zu unternehmen.
Wenn du etwas unternimmst, ändern sich Leben und Situationen anderer Menschen fast unausweichlich und dafür will ich nicht die Verantwortung tragen.
Trotzdem kann ich dem auch viel abgewinnen: es macht Spaß, zu beobachten, die richtigen Schlüsse zu ziehen und am Ende Recht zu behalten, wenn die Wahrheit rauskommt.
Nur manchmal bringt es auch diese unvorstellbaren Lasten mit sich.
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