… in einer Gesellschaft, die unsozialer nicht sein kann.
Schon als ich denken konnte, habe ich gespürt, dass ich anders bin.
Dieses „anders“ war schon immer da, und wird mich immer begleiten. Ich kann nicht beschreiben, was dieses „anders“ genau ist.
Die Google Definition lautet: auf andere, abweichende Art und Weise abweichend, verschieden.
Während andere aus meiner Klasse ohne Probleme Freunde fanden und auf andere zugingen, blieb ich lieber für mich und beschäftigte mich mit meinen ganz eigenen Gedanken und Gefühlen, die außer mir niemand verstand.
Wenn du nicht dazu gehörst, dann gehörst du auch nicht dazu.
Und so vergingen die Jahre, und ich wurde schleichend immer einsamer, weil ich mich unverstanden fühlte.
Unverstanden von den Menschen die um mich herum waren, und die wenigen Freundschaften auf die ich mich eingelassen hatte, zerbrachen an den natürlichen Veränderungen, die das Leben und das Erwachsenwerden nun mal so mitbringen und gegen die ich versuchte, mich standhaft zu weigern und zu verdrängen.
Alle Personen, mit denen ich mit identifizieren konnte, lebten nicht in der realen Welt um mich herum, sondern waren feinsäuberlich von mir entworfene Charaktere, Versionen von Menschen, wie ich sie gerne in meinem Umfeld gehabt hätte, und in meinen Geschichten die ich schrieb, bewegte ich mich in einer für mich und meine Bedürfnisse geschaffenen Welt.
Ich war zu verwirrt , zu überfordert von dem Geschehen um mich herum und konnte und wollte nicht akzeptieren, warum in Gottes Namen ich Parabeln und Wahrscheinlichkeitsrechnung lernen sollte – wusste ich doch sicher schon, dass ich es in meinem späteren Lebensweg nie wieder brauchen sollte.
Es waren viele, viele, erfolglose Versuche, meinen Platz in der Welt zu finden.
Meine Leidenschaften waren die Musik und das Schreiben irgendwelcher Texte, die jetzt auf den Seiten meiner College-Blöcke vor sich hin vergilben, verstaut in irgendwelchen Umzugskartons.
Ich fing etwas an, verlor den Fokus und die Leidenschaft und hörte dann wieder auf.
Erst eine einzige Bemerkung, die als bloße Provokation gemeint war, sollte mich auf den rechten Weg bringen.
Ich hatte es einfach so gesagt, gedankenlos und ungeahnt dessen was der Satz „Ich könnte mir auch vorstellen, mit Leichen zu arbeiten“ auslösen würde.
Meine fiktiven Wegbegleiter in Funk, Fernsehen und meinem Kopf taten dies schließlich auch, warum sollte mir das dann nicht auch liegen?
Endlich hatte ich nun mit der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft meinen Platz in der Welt gefunden, eine Leidenschaft die bei meinem ängstlichen und zurückhaltenden Wesen niemand für möglich gehalten hat.
Ich schreibe heute mehr denn je, über meine Erlebnisse, meine Werdegang und meine Erfahrungen.
Ich danke noch heute Emily Deschanel alias Temperance Bones Brennan, die der Auslöser für alles war und Tobi Sammet, für die wegweisende und aufbauende Texte, Lieder, Interviews.
Und mit folgendem Liedzitat möchte ich den Beitrag gerne beenden:
„Against the Wind, against the grain, open visor – arrows rain, I’m me and I do it my way. Don’t you tell me what to be, through my eyes you cannot see. I‘m me and I‘m going my way …” (Tobias Sammet, AVANTASIA 2025)
Danke & ich hab euch lieb,
Die Autorin
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